Logo
      Muehlewehr   Kirche   Wohngebiet   Weissenau   Schloss
Home
Argumente
Links
Galerie
Kontakt

 

PDF (426 kB)  
PDF (147 kB)

 

DOC (Word-Format, 2.5 MB) PDF (4.5 MB)  
PDF (270 kB)  
   
     
     
     

"Drum binde sich nie, wer ewig prüfe"

Die Darstellung der historischen Fusionsbestrebungen unter diesem Titel im Feuilleton der Jungfrau-Zeitung vom 27. März 2009 erfordert nach Ansicht von Pro Stedtli einige Ergänzungen und Präzisierungen, welche nachfolgend unter dem Titel "Spaltung und Verschmelzung" zu finden sind.

   
 

 

   
 

Spaltung und Verschmelzung

  Dieser Text als PDF (39 kB)
 

 

Vor 200 Jahren – Trennung der Dorfschaft Aarmühle von Matten

Der Streit zwischen den Dorfschaften Matten und Aarmühle entstand im Bäuertwesen, vor allem wegen den Nutzungsrechten an den Allmenden. Deshalb verlangte gemäss Rudolf Gallatis „Aarmühle-Interlaken – eine Ortsgeschichte“ die Dorfschaft Aarmühle am 8. August 1810 die Herauslösung ihrer Güter aus dem Gemeinwesen Matten. Die Berner Regierung entsprach diesem Begehren schon am 5. September 1810; doch, nachdem sich gegen die Neuerung merklicher Widerstand geregt hatte, einigten sich Matten und Aarmühle am 28. September 1816 in einem Vergleich, welcher der Regierung aber nicht vorgelegt wurde. Die Spannungen blieben bestehen und führten nach ergebnislosen Vermittlungsversuchen im Jahre 1826 zu einer Klage der Dorfschaft Aarmühle beim Oberamtmann, der diese jedoch 1829 erstinstanzlich ablehnte, worauf Aarmühle den Handel im Rekursverfahren an die Regierung weiterzog. Diese stellte am 10. März 1830 fest, dass die Trennungsfrage noch nicht genügend abgeklärt sei und verlangte Vorschläge, worauf beide Dorfschaften ihre Vorstellungen für eine zweckmässigere Organisation ihres Gemeindewesens einreichten.

Die Dorfschaft Aarmühle glaubte zu dieser Zeit des aufkommenden Fremdenverkehrs, ihre besonderen Anliegen würden in der hauptsächlich landwirtschaftlich orientierten Gemeinde Matten zu wenig berücksichtigt. Sie strebte deshalb ihre Abspaltung und Selbständigkeit an. Nachdem im Jahre 1831 der Kanton Bern als Ganzes mit einer liberalen Verfassung anders geordnet und 1833 ein neues Gemeindegesetz erlassen worden war, entschied die Berner Regierung am 3. Oktober 1838, dass der bisherige Verband zwischen den Dorfschaften Matten und Aarmühle aufgelöst werden solle und dass sie in Zukunft zwei voneinander unabhängige Gemeinden zu bilden hätten. Dieser Spruch wurde jedoch von Matten nicht anerkannt, weil dafür nach den neuen rechtlichen Bestimmungen nur der Grosse Rat zuständig sei. Doch dieser wandte für das aus der vorausgehenden Restaurationszeit stammende Geschäft die alten Regeln an und wies am 10. Mai 1839 das Begehren der Gemeinde Matten ab, wobei vom 200 Grossräte zählenden Parlament nur 57 dafür stimmten und alle andern Anwesenden sich der Stimme enthielten.

 

   
 

Vor 100 Jahren – Interlakens kalte Schulter

Nach dem Gesetz über die Einkommenssteuer vom 18. März 1865 musste das Einkommen in jener Gemeinde versteuert werden, in dem es verdient wurde. Vor dem ersten Weltkrieg stammten nun viele Angestellte in der damals boomenden Hotelzone entlang des Höhewegs aus Matten und Unterseen, weshalb sich diese Steuerbestimmung für deren Wohngemeinden katastrophal auswirkte. Unterseen suchte deshalb einen steuerlichen Ausgleich und strebte 1913 Fusionsverhandlungen mit Interlaken an. Zudem wurde am 10. Mai 1913 in einer zur Hauptsache von Pfarrer Ulrich Fuchs verfassten Eingabe an den Grossen Rat die schwierigen Verhältnisse dargestellt und darin eine Revision des Steuergesetzes und die Besteuerung der Einkommen in den Wohngemeinden verlangt. Da sich dasselbe Problem im Kanton Bern auch in andern Agglomerationen rings um die grösseren Städte und Ortschaften zeigte, wurde das Begehren in ein neues Steuergesetz vom 7. Juli 1918 aufgenommen. Diese Neuregelung wurde in Matten und Unterseen freudig begrüsst, in Interlaken aber entsprechend zurückhaltend beurteilt. Sie verminderte das stossende Steuergefälle etwas, vermochte jedoch die grossen Unterschiede auf dem Bödeli nicht auszugleichen, sodass aus dem Kreis der „Grütlianer“, einer der Arbeiterschaft nahestehenden Organisation, im Jahre 1924 erneut für eine Fusions­initiative geworben wurde. Doch der Gemeinderat Interlaken stellte dazu einen sorgfältig erarbeiteten 40-seitigen „Bericht betreffend die Fusion der Gemeinden Matten, Unterseen und Interlaken“ zusammen, mit den Schlussfolgerungen,

- dass die Fusionsbestrebungen in Matten und Unterseen keinem absoluten Bedürfnis entsprächen,

- dass auch nach einer Fusion auf die dortigen unterschiedlichen Wirtschaftsverhältnisse Rücksicht genommen werden müsste,

- dass die Gemeinde Matten auch in Zukunft in der Lage sei, für ihre ordentlichen Aufgaben selber aufzukommen,

- dass die Gemeinde Unterseen genügend Einkünfte habe, um ihre ordentlichen und gesetzlichen Aufgaben zu erfüllen und ihr bei sparsamem Haushalten auch noch Mittel für freiwillige Aufgaben zur Verfügung stünden,

- dass eine Fusion der drei Gemeinden zu einem einzigen Gemeinwesen in der laufenden Verwaltung zu grossen Mehrausgaben führen würde, die zum weitaus grössten Teil von der Gemeinde Interlaken getragen werden müssten,

- dass Interlaken dadurch im Ausbau seiner eigenen Einrichtungen schwer gehemmt würde,

- dass ein weiterer Steuerabbau, wenn nicht unmöglich, so doch auf lange Zeit hinausgeschoben würde,

- dass die aus der Fusion für Interlaken entstehenden wirtschaftlichen Nachteile die Vorteile in dem Masse übersteigen würden, dass die Aufnahme weder der Gemeinde Matten noch der Gemeinde Unterseen empfohlen werden könne.

Der Grosse Gemeinderat Interlaken beschloss daraufhin am 1. Dezember 1927 unter dem Eindruck einer präsidial ausgesprochenen Befürchtung, „es bestehe die Gefahr, dass im neuen Gemeindewesen unserem Haupterwerbszweig, dem Fremdenverkehr, nicht das nötige Interesse entgegengebracht werden könnte“, mit 18 zu 9 Stimmen, auf die gewünschten Fusionsverhandlungen nicht einzutreten.

 

   
 

Und heute? – Die örtlichen Probleme sind leichter lösbar ohne Fusion

Die Argumente für oder gegen eine Fusion sind im Ganzen gesehen ähnlich geblieben. Sie werden aber zum Teil heute anders gewichtet und einzelne haben die Fronten gewechselt. Pro Stedtli ist dabei im Besonderen davon überzeugt, dass jede der drei Gemeinden ihre speziellen Probleme allein leichter und schneller lösen kann, sowohl zum Beispiel die Promenadenpflege am Höheweg in Interlaken wie die Sorgen um die Altstadt in Unterseen oder die Entwicklungsprobleme in Matten. 

Die Gemeinde Unterseen weist eine für die Einwohnerinnen und Einwohner gut überschaubare Grösse auf und ist bürgernaher als eine fusionierte Grossgemeinde. Die direkte Demokratie darf nicht geschwächt werden. Deshalb wollen wir unsere Gemeindeversammlung beibehalten. Im Einzelnen allenfalls mögliche, aber an sich unerhebliche verwaltungsmässige Erleichterungen oder vermeintliche politische Vorteile wiegen den Verlust der Eigenständigkeit nie und nimmer auf. Darum:

Fusion ? – NEIN  danke !!!

- und auch keine überflüssigen und kostspieligen Abklärungen

   
       
       
       
       
         
1925

 

Der historische Bericht zu den Fusionsabklärungen von 1925 als PDF (2.9 MB)